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Alleine in Gesellschaft.

  • Autorenbild: Christina Währinger
    Christina Währinger
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Nicht jedes alleinsein ist einsamkeit.


Ein Messer fällt klirrend zu Boden. Nicht laut genug, um den ganzen Gastgarten verstummen zu lassen. Aber laut genug, dass mehrere Köpfe kurz in dieselbe Richtung schauen. Der Kellner reagiert sofort. Fast routiniert hebt er das Messer auf, entschuldigt sich freundlich und bringt wenige Sekunden später bereits ein neues.

Das ältere Ehepaar bedankt sich gleichzeitig. Fast synchron.


Dann essen sie weiter, als wäre nichts passiert.

Die Frau spricht über ihre kommende Reise. Irgendetwas mit der Toskana. Nette Hotels. Guten Wein. Oliven. Der Mann nickt nur und schiebt sich langsam etwas vom Risotto auf seinen Löffel.

Auf ihrer Seite des Gastgartens wirkt alles ruhig.


Nur wenige Meter weiter:

Vier junge Frauen sitzen verteilt auf großen Polstersesseln. Aperolgläser stehen zwischen ihnen auf dem Tisch. Eiswürfel klirren bei jeder Bewegung. Sie lachen laut, beugen sich zueinander, zeigen sich gegenseitig Bilder auf ihren Handys.

Eine von ihnen wischt sich Tränen aus den Augen vor Lachen, während die Kellner hektisch zwischen den Tischen hindurchlaufen.


Daneben sitzt ein junges Pärchen.

Zwei Getränke stehen vor ihnen.

Sie stoßen kurz an. „Prost.“

Dann Stille.

Sie greift in die kleine Schale mit Chips zwischen ihnen. Er tippt währenddessen eine Nachricht auf seinem Handy. Niemand wirkt verärgert.


In der Ecke sitzen zwei Männer mit jeweils einer Flasche Bier in der Hand. Sie diskutieren über das letzte Formel-1-Rennen. Einer gestikuliert begeistert mit der Flasche in der Hand, während der andere überzeugt erklärt, dass Ferrari strategisch wieder alles falsch gemacht hat. Ein eher ernstes Gespräch.


Und etwas weiter hinten sitzt eine Frau alleine.

Mitte vierzig vielleicht.

Vor ihr ein Glas Sekt mit einer kleinen Erdbeere am Glasrand.

Kein Handy. Keine Zeitung. Kein Buch.

Sie sitzt einfach nur da und schaut.

Einfach ruhig.

Fast irritierend ruhig für jemanden, der alleine in einem voll besetzten Gastgarten sitzt.

Und automatisch beginnt man sich, vielleicht auch unterbewusst, Fragen zu stellen.


Fühlt sie sich wohl?
Hat sie diesen Abend bewusst für sich gewählt?
Ist alleine sein in der Öffentlichkeit heute eigentlich noch immer etwas, das erklärt werden muss?
Warum wirkt Gesellschaft oft automatisch richtiger als Einsamkeit?

Alleine frühstücken. Alleine ins Theater gehen. Alleine auf ein Glas Prosecco.


Vielleicht weil Menschen gelernt haben, dass Alleinsein etwas ist, das man möglichst verstecken sollte.

Dabei gibt es genug Menschen, die sich trotz Begleitung deutlich einsamer fühlen als diese Frau mit ihrem Glas Sekt.


Interessant eigentlich, wie unterschiedlich Stille sein kann. Manchmal braucht es offenbar sehr viel mehr Mut, alleine dazusitzen, als sich irgendwo dazuzusetzen.

 
 
 

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