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Zwischen Espresso, Eis und gestern.

  • Autorenbild: Christina Währinger
    Christina Währinger
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Beim italienischen Eisgeschäft ums Eck - beim Stammlokal:


Der Löffel kratzt langsam den bereits leicht eingetrockneten Rand des Vanilleeises vom Glas. Dieses leise dumpfe Geräusch, das man nur hört, wenn man zufrieden sein Eis aufgegessen hat.

Die Nachmittagssonne liegt warm zwischen den schmalen Häuserfassaden der Wiener Innenstadt. Autos hupen irgendwo weiter vorne an der Kreuzung, doch hier im Gastgarten verliert selbst der Lärm der Stadt für einen Moment seine Schärfe.

Die Finger kleben leicht vom geschmolzenen Eis, das langsam am Löffel herunterrinnt. Mit diesem dünnen, beinahe nutzlosen Papier unter dem Eisbecher versuchen wir sie sauber zu bekommen.


Wir lehnen uns zurück.

Zufrieden.


Vielleicht noch ein Espresso?

So ein dunkler, schwerer, gut riechender Espresso, der eigentlich nur bestellt wird, weil man noch nicht bereit ist zu gehen.

Weil sich plötzlich alles ein wenig nach Urlaub anfühlt.

Nach italienischer Leichtigkeit mitten zwischen Beton, Straßenbahnen und heißen Pflastersteinen.

Mitten in Wien.


Und genau deshalb fallen einem manche Dinge wahrscheinlich überhaupt erst auf.


Der Besitzer schaut zu oft aufs Handy. Nicht hektisch genug, um wirklich aufzufallen.Aber zu oft für jemanden, der gerade arbeitet.

Er lächelt Gäste an und sieht dabei trotzdem so aus, als wäre er gedanklich bereits woanders.

Kurz bleibt sein Blick an den leeren Tischen hängen, obwohl eigentlich genug Menschen hier sitzen.

Dann verschwindet er wieder hinter der Theke.

Wir sagen nichts dazu.

Warum auch.

Wir sind wegen des Eises hier. Und wegen des Espressos.

Wegen dieses warmen Nachmittags, der sich gerade leicht genug anfühlt, um nicht über eigene und schon gar nicht über fremde Probleme nachdenken zu müssen.


Drei Tage später ist das Lokal geschlossen. Dauerhaft.


Und plötzlich denkt man noch einmal an diesen Nachmittag zurück.

An dieses kaum merkbare Gefühl, dass irgendetwas nicht ganz in diese sommerliche Leichtigkeit gepasst hat.


Wie oft versuchen Menschen weiterzulächeln, obwohl etwas in ihrem Leben längst begonnen hat auseinanderzubrechen? Warum?
Wie viele Menschen sitzen täglich direkt vor uns, während in ihrem Leben gerade etwas endet, ohne dass wir es wirklich bemerken?
Wie viele Zwischentöne gehen verloren, weil wir gelernt haben, nur auf das Offensichtliche zu achten?

Interessant eigentlich, wie vieles gleichzeitig existiert.Die Leichtigkeit eines warmen Nachmittags. Der Espresso nach dem Eis.

Während zur selben Zeit für jemanden gerade etwas auseinanderfällt.

 
 
 

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